Obscène bedeutet wörtlich „obszön“ oder „anstößig“, wird hier aber bildlich gebraucht. In „ces égoïstes au bonheur obscène“ bezeichnet es ein Glück, das so übertrieben und schamlos wirkt, dass es den deprimierten Sänger geradezu beleidigt. Dadurch erhält das Wort eine ungewöhnliche, bissige Bedeutung.
In „Mauvaise Journée“ beschreibt Stromae, ein Künstler aus Belgien, einen Tag, der schon morgens verloren wirkt: Draußen ist der Himmel grau, „dedans aussi“ [drinnen ebenfalls]. Selbst ein Missgeschick mit dem eigenen „caca“ [Kot] endet in anderthalb Stunden Putzen. Das ist gleichzeitig eklig, komisch und erbarmungslos ehrlich. Danach bleibt vor allem Langeweile: „je m’emmerde“ [ich langweile mich / mir ist stinklangweilig]. Die Redewendung „chacun sa merde“ [jeder hat seinen eigenen Mist] bekommt hier eine sehr wörtliche, ziemlich freche Note.
Im Refrain bittet die Stimme um Hilfe, fühlt sich allein und verlangt zugleich das Recht, im Sessel deprimiert zu sein: „c’est mon droit d’être déprimé dans mon fauteuil“ [es ist mein Recht, in meinem Sessel deprimiert zu sein]. Die schlechte Laune wächst zu größeren Fragen: Was bringt das Aufstehen? Werden andere traurig sein, wenn man nicht mehr da ist? Der halb leere Becher wird absichtlich ganz gefüllt: „Remplis mon verre jusqu’au bout parce qu’il est à moitié vide“ [Füll mein Glas ganz auf, denn es ist halb leer]. Das ist der Witz des Liedes: Die Stimme nennt sich nicht pessimistisch, obwohl sie alles pessimistisch deutet. Zwischen dem Wunsch, den ganzen Tag zu schlafen, und der kleinen Hoffnung, dass morgen besser wird, zeigt der Text einen Menschen, der sogar davon genervt ist, genug von seiner Depression zu haben.