Sourire jaune bedeutet wörtlich „gelb lächeln“, ist aber eine französische Redewendung für ein gezwungenes, bitteres oder verlegenes Lächeln. Im Lied steht der Ausdruck im Kontrast zum echten Lachen: Der Sänger möchte nicht nur lächeln, um seinen Schmerz zu verbergen, sondern wirklich vor Freude lachen.
In „Cheese“ von Stromae, einem Künstler aus Belgien, klingt ein Lächeln plötzlich gar nicht fröhlich. Das lyrische Ich erzählt, dass es schon als Kind vieles nicht verstanden hat: „Depuis qu'j'suis p'tit, j'n'y ai rien compris“ [Seit ich klein bin, habe ich nichts davon verstanden]. Es schließt die Augen und betet, obwohl es selbst sagt, dass die Götter vielleicht gar nicht existieren. Besonders bissig wird das Bild von Erwachsenen im Anzug: Sie versprechen den Mond, „sans connaître la Terre“ [ohne die Erde zu kennen]. Für das Ich sind sie keine weisen Vorbilder, sondern „marchands de sable“ [Sandmänner beziehungsweise Leute, die einem etwas vormachen].
Dann kommt der höfliche Fotobefehl: „Vas-y dis ‘Cheese’“ [Los, sag „Cheese“]. Das Lächeln soll auf das Foto, auch wenn es nicht echt ist: „Ils ont cru qu’je riais, mais c’est même pas vrai“ [Sie glaubten, ich würde lachen, aber das stimmt überhaupt nicht]. Genau darin liegt der schwarze Humor des Liedes. Ein Lächeln kann eine Maske sein, eine Pflichtgeste oder sogar etwas, das den Schmerz kurz erträglicher macht: „Juste quand j’ai mal alors, pour que ça passe“ [Nur wenn ich Schmerzen habe, damit es vorbeigeht]. Dass am Ende vom Feiern der Toten die Rede ist, macht das freundliche Wort „Cheese“ herrlich makaber. Die vielen Wiederholungen von „Je souris“ [Ich lächle] klingen dadurch immer weniger nach Freude und immer mehr nach einer Rolle, die das Ich spielt.