Embrigades kommt vom französischen Verb embrigader und bedeutet wörtlich, jemanden in eine Brigade oder Gruppe zu rekrutieren. Im Lied ist es ein ungewöhnliches Wortspiel mit „aux brigades“: Cesaria wird so dargestellt, als würde sie Millionen Menschen für ihre Heimat und ihre Musik gewinnen. Dadurch klingt das Wort zugleich militärisch, kraftvoll und überraschend.
In „Ave Cesaria“ spricht Stromae eine Frau namens Evora an, die zugleich wie eine entfernte Geliebte und wie die Sängerin Cesária Évora erscheint. Ihre Stimme riecht für ihn nach Rum: „Les effluves de rhum dans ta voix“ [Der Duft von Rum in deiner Stimme]. Sie bringt ihn mit den Fingerspitzen zum Tanzen, antwortet aber aus der Ferne nicht mehr. Die Erinnerung ist liebevoll und ziemlich direkt: Beim ersten Blick habe ein Auge „merde“ zum anderen gesagt, also sinngemäß „Mist“ oder „Scheiße“. Andere fanden Evora zu hässlich, doch der Erzähler hört ihr zu und will sie nach all den Jahren wiederfinden. Der Refrain „Une de perdue, c’est ça?“ [Eine verloren, ist das alles?] klingt dabei trotzig und ein bisschen beleidigt.
Dann wird klarer, warum Cesaria im Zentrum steht: „Diva aux pieds nus“ [Barfuß-Diva] nennt der Text die kapverdische Sängerin Cesária Évora, die für ihren Auftritt ohne Schuhe bekannt ist. „Sodade di nha Cesaria“ bedeutet auf Kreolisch ungefähr „Sehnsucht nach meiner Cesaria“. Das Wort „sodade“ bezeichnet eine tiefe Sehnsucht nach jemandem oder etwas, das entfernt oder verloren ist. Mit „Tu es revenue“ [Du bist zurückgekommen] und „Tous les chemins mènent à la dignité“ [Alle Wege führen zur Würde] zeichnet Stromae Cesária als Frau, die trotz Rum, Ruhm und Gerüchten über ihr Verschwinden ihre Würde behält. Der Wechsel zwischen französischen Zeilen und dem wiederholten kreolischen „Sodade“ macht das Lied zu einer persönlichen Liebeserklärung an eine Stimme, die der Erzähler nicht loslassen will.