Deshojando kommt vom Verb deshojar, was wörtlich „entblättern“ bedeutet. Es ist ein bildhaftes Wort, das man nicht jeden Tag hört.
In diesem Lied singt Shakira: „Y voy deshojando margaritas y mirando sin mirar“ (Und ich entblättere Gänseblümchen und schaue, ohne zu sehen). Sie spielt hier auf das bekannte Spiel „Er liebt mich, er liebt mich nicht“ an, bei dem man die Blütenblätter eines Gänseblümchens abzupft. Es vermittelt ein Gefühl der Unsicherheit und des Wartens auf eine Entscheidung in einer Beziehung.
Manchmal reicht ein einziges Wort, und Shakira macht daraus eine unmissverständliche Ansage: „No“. In dieser Pop-Ballade zieht die kolumbianische Sängerin einen harten Schlussstrich unter eine Beziehung, die nur noch wehtut. Ihr Ex versucht es mit faulen Ausreden, doch sie winkt direkt ab: „Las excusas ya existían antes de ti“ („Ausreden gab es schon vor dir“). Sie will sein Gerede nicht mehr hören, denn seine Rhetorik ist für sie eine tödliche Waffe. Wenn sie singt: „Pesa más la rabia que el cemento“ („Die Wut wiegt schwerer als Zement“), spürt man förmlich das bleierne Gewicht, das sich über die Liebe gelegt hat.
Besonders stark sind die sprachlichen Bilder, die Shakira nutzt. Mit „La paciencia se me ha ido hasta los pies“ („Die Geduld ist mir bis zu den Füßen gerutscht“) greift sie eine typische spanische Redewendung auf: Ihre Geduld ist schlichtweg am Boden zerstört. Und ihr cleveres Wortspiel „Espero que no esperes que te espere“ („Ich hoffe, du hoffst nicht, dass ich auf dich warte“) zeigt wunderbar, wie flexibel das Verb esperar (hoffen / warten) im Spanischen ist. Ihr Fazit bleibt radikal und bitter: „No se puede vivir con tanto veneno“ („Man kann mit so viel Gift nicht leben“). Statt endlos neue Versuche anzuhäufen, zupft sie demonstrativ Gänseblümchen, schaut desinteressiert ins Leere und wartet nur darauf, dass er endlich wütend abzieht.