Aleje kommt vom Verb alejar und bedeutet „entfernen“ oder „auf Abstand bringen“. Die Form ist der Subjuntivo und steht hier in „Quizás la vida nos aleje de la realidad“: „Vielleicht entfernt uns das Leben immer mehr von der Wirklichkeit.“
Das Wort wirkt besonders poetisch, weil das Leben selbst als eine Kraft dargestellt wird, die Menschen voneinander und von der Realität entfernt.
Enrique Iglesias, ein Künstler aus Spanien, spricht in „Quizás“ einen vertrauten „viejo“ an, also wörtlich einen „Alten“ oder liebevoll einen älteren Mann. Die Anrede klingt hier nach einem Vater, auch wenn die Zeilen das nicht ausdrücklich sagen. Gleich am Anfang fragt er: „Hola viejo, dime cómo estás“ [Hallo, Alter, sag mir, wie es dir geht]. Die Jahre sind vergangen, beide haben nicht mehr miteinander gesprochen, und der Sänger will klarstellen: „No quiero que te pienses que me he olvidado de ti“ [Ich will nicht, dass du denkst, ich hätte dich vergessen]. Er arbeitet wie immer, gibt zu, dass sein Leben einsam ist, und möchte endlich Dinge erklären, weil niemand weiß, ob er morgen noch da sein wird.
Besonders stark ist der Gedanke, dass die beiden sich trotz ihrer Entfernung ähnlich sind: „En el fondo tú y yo somos casi igual“ [Im Grunde sind du und ich fast gleich]. Gleichzeitig gehen sie offenbar in verschiedene Richtungen: „Quizás tú buscas un desierto y yo busco un mar“ [Vielleicht suchst du eine Wüste und ich suche ein Meer]. Das Bild ist einfach und etwas überraschend: Beide suchen ihren eigenen Ort, aber nicht denselben. „Quizás“ bedeutet „vielleicht“, und dieses Wort macht den Refrain offen und unsicher. Vielleicht trennt das Leben sie immer weiter, vielleicht entfernt es sie von der Wirklichkeit, doch am Ende sagt der Sänger auch: „Gracias a la vida, hoy te quiero más“ [Dank des Lebens liebe ich dich heute mehr]. Nach alten Diskussionen, bei denen der andere immer recht haben wollte, ist er müde vom Streiten. Er wählt den Kontakt, bevor noch mehr Zeit vergeht.