Aleje kommt vom Verb alejar und bedeutet „entfernen“ oder „auf Abstand bringen“. Die Form ist der Subjuntivo und steht hier in „Quizás la vida nos aleje de la realidad“: „Vielleicht entfernt uns das Leben immer mehr von der Wirklichkeit.“
Das Wort wirkt besonders poetisch, weil das Leben selbst als eine Kraft dargestellt wird, die Menschen voneinander und von der Realität entfernt.
Hast du dich jemals davor gedrückt, jemanden anzurufen, den du eigentlich liebst? Genau diesen Moment packt der spanische Popsänger Enrique Iglesias in „Quizás“. Der Song beginnt wie ein etwas unbeholfenes Telefonat: „Hola viejo dime como estás“ („Hallo Alter, sag mir, wie es dir geht“). Im Spanischen ist viejo („Alter“) hier keine Beleidigung, sondern eine vertraute, liebevolle Anrede für den eigenen Vater. Enrique gesteht sofort ein, dass viel zu viel Zeit vergangen ist: „Los años pasan, no hemos vuelto a hablar“ („Die Jahre vergehen, wir haben nicht wieder miteinander gesprochen“). Trotz einer vollen Arbeitswoche gibt er offen zu, wie einsam sein Alltag ist („confieso que en mi vida hay mucha soledad“). Man spürt sofort: Hier versucht jemand, alten Streit beiseitezulegen, bevor es zu spät ist, denn „uno nunca sabe si mañana este aquí“ („man weiß nie, ob man morgen noch hier ist“).
Was diesen Song so stark macht, ist die Ehrlichkeit über alte Dickköpfigkeit. Enrique wirft seinem Gegenüber direkt an den Kopf: „Y la razón siempre querías llevar“ („Und du wolltest immer recht haben“). Auf Spanisch bedeutet llevar la razón wörtlich „den Grund tragen“, also darauf beharren, im Recht zu sein. Doch statt weiterzudiskutieren, bemerkt er die Ironie: „En el fondo tú y yo somos casi igual“ („Im Grunde sind du und ich fast gleich“). Der Refrain stellt die Gegensätze dann mit einem starken Bild gegenüber: „Quizás tú buscas un desierto y yo busco un mar“ („Vielleicht suchst du eine Wüste und ich suche ein Meer“). Ein wunderschöner, ehrlicher Popsong über zwei sture Menschen, die sich trotz aller Unterschiede vermissen.