Derrocha kommt vom Verb derrochar und bedeutet, etwas großzügig oder maßlos auszugeben beziehungsweise zu verschwenden. Im Lied beschreibt „Hoy se derrocha“ eine ausschweifende Feier mit Tränen, Benzin, Wein, Zigarren und Schokolade, obwohl sie rund um den Tod stattfindet.
ROSALÍA plant hier ihre eigene Beerdigung, und zwar als wilde Straßenfeier statt als traurige Andacht. Schon die erste Strophe steigt mit dunklem Humor ein: Sie erwähnt den Tod in einem langgezogenen Mercedes – gemeint ist ganz unverblümt ein Leichenwagen. Der Aberglaube dazu lautet: „Te da buena suerte“ (Es bringt dir Glück). An ihrem Grab versammeln sich alle, selbst alte Rivalen: „Hasta mis enemigos / Hoy lloran“ (Sogar meine Feinde weinen heute). Statt Rosen verlangt sie Magnolienblüten („Tírame magnolias“ / Wirf mir Magnolien zu) und feiert das Chaos des Lebens einfach bis zum Schluss weiter.
Die Szene auf dem Friedhof ist herrlich überdreht. Da verbrennen KTM-Motorräder ihre Reifen direkt neben dem Sarg („KTMs quemando rueda“), während Benzin, Rotwein, Zigarren und Schokolade fließen. Sie fordert ihre Leute regelrecht auf: „Bailando con amor encima de mi cadáver“ (Tanzt mit Liebe auf meiner Leiche). Die spanische Sängerin blickt dabei ohne Reue auf Schicksalsschläge zurück: „Algún que otro navajazo me he llevado de la vida“ (Den ein oder anderen Messerstich habe ich vom Leben abbekommen). Am Ende wünscht sie sich braunen Zucker auf dem Holz, eine Party bis zum Morgengrauen und den Weg zurück zu den Sternen. Ein herrlich eigensinniger Abschied, der den Tod einfach zur Fiesta erklärt.