Givrées bedeutet „vereist“ oder „mit Raureif bedeckt“ und beschreibt im Lied die von Frost überzogenen Zugfenster: « des trains pressés aux vitres givrées ».
Das Wort ist besonders bildhaft und klingt poetischer als das alltäglichere gelées. Es verstärkt die winterliche, geheimnisvolle Atmosphäre der Reise nach Kiew.
Vanessa Paradis entwirft in „Kiev“ eine Beziehung aus Entfernung, Erinnerung und Vorfreude. Kiew erscheint wie ein weit entfernter Ort, an dem sich zarte und widersprüchliche Bilder sammeln: „Des neiges de Kiev“ [Der Schnee von Kiew], „des baisers brûlés“ [verbrannte Küsse] und „des chaleurs glacées“ [eisige Hitze]. Gerade dieser Gegensatz ist schön und ein bisschen verrückt: Nähe fühlt sich heiß an, die Nächte und Züge bleiben trotzdem kalt. Die wiederholte Frage „Est-ce si loin, tes mains?“ [Sind deine Hände so weit entfernt?] macht aus der Stadt einen Treffpunkt für zwei Menschen, die einander vermissen.
Im Refrain heißt es: „Il faudra se survoler“ [Wir werden übereinander hinwegfliegen müssen] und „Apprendre à garder les rêves“ [lernen müssen, die Träume zu bewahren]. Das klingt nach einer Reise durch die Luft, aber auch nach dem Versuch, die gemeinsame Hoffnung bis zum Wiedersehen festzuhalten. Dazu passen die „trains pressés“ [eilenden Züge] hinter „vitres givrées“ [vereisten Fenstern]. Kiew ist hier weniger eine erklärte Geschichte als ein Ziel, das immer wieder genannt wird: „Pour nous retrouver à Kiev“ [um uns in Kiew wiederzufinden].