Ensorcelle kommt vom Verb ensorceler, was "bezaubern" oder "verhexen" bedeutet. Es ist ein faszinierendes Wort, das eine magische Anziehungskraft beschreibt.
Im Lied singt Vanessa Paradis über die Seine: "Tellement jolie elle m'ensorcelle" (So hübsch, sie bezaubert mich). Es vermittelt das Gefühl, von der Schönheit des Flusses völlig gefangen und verzaubert zu sein, was es zu einem sehr poetischen und einprägsamen Wort macht.
Hast du schon mal von einem Fluss geschwärmt, als wäre er ein Mensch? Vanessa Paradis und Matthieu Chédid tun genau das in La Seine. Sie singen über den berühmten Fluss von Paris, als wäre er eine selbstbewusste, wunderschöne Zauberin. Gleich zu Beginn heißt es: „Elle sort de son lit / Tellement sûre d’elle“ („Sie verlässt ihr Bett / So selbstsicher“). Das französische Wort lit bedeutet im Alltag „Bett“, meint bei Gewässern aber ganz wörtlich das „Flussbett“. Ein cleveres Doppelspiel! Die beiden behaupten sogar scherzhaft: „Tu n’es pas saoul / Paris est sous / La Seine“ („Du bist nicht betrunken / Paris liegt unter / Der Seine“). Statt an zu viel Wein liegt das Schwindelgefühl also angeblich daran, dass die ganze Stadt unter Wasser steht.
Später wechselt der Text geschickt von la Seine (der Fluss) zu la scène (die Theater- oder Konzertbühne), was auf Französisch exakt gleich klingt: „quand tu es sur / La scène“ („wenn du auf der Bühne bist“). Die beiden spazieren über den Pont des Arts, die bekannte Fußgängerbrücke vor dem Louvre. Dort singen sie: „Mon coeur vacille / Entre deux eaux“ („Mein Herz schwankt / Zwischen zwei Wassern“). Die Redewendung entre deux eaux bedeutet wörtlich „zwischen zwei Strömungen schwimmen“, steht im Französischen aber auch dafür, unentschlossen hin- und hergerissen zu sein. Warum sie sich so in diesen Fluss verliebt haben? Keine Ahnung, geben beide offen zu: „Je ne sais, ne sais / Ne sais pas pourquoi / C’est comme ça, la Seine et moi“ („Ich weiß nicht, weiß nicht, weiß nicht warum / Es ist einfach so, die Seine und ich“).