근자감 [geunjagam] ist ein koreanischer Slang-Ausdruck für Selbstvertrauen ohne ausreichende Grundlage, also eine Art übertriebene Zuversicht. Im Song wird dieses „Pillen“-Bild besonders spannend: Der Sprecher hat zu viel davon geschluckt und merkt nun, dass an die Stelle des Mutes zunehmend Sorgen treten.
„Side Effects“ beschreibt den unangenehmen Preis dafür, sich mutig ins Ungewisse zu stürzen. Die Stimme sagt: „날 믿고서 날 던졌어“ [Ich habe mir vertraut und mich hineingeworfen], fragt aber sofort: „하지만 왜 휩쓸리고 있을까?“ [Warum werde ich trotzdem mitgerissen?]. Aus Selbstvertrauen werden Zweifel, Kopfschmerzen und ein verschwommener Blick: „아 잠깐, 나 이상해, 왜 초점이 흐려“ [Warte, irgendetwas stimmt nicht mit mir, warum wird alles unscharf?]. Besonders stark ist der Gegensatz zwischen dem festen Vorsatz „안 변한다“ [Ich werde mich niemals verändern] und der Erkenntnis, dass die eigene Reaktion von der Umgebung und sogar von der Person abhängt, die einen nur kurz anstupst. Sogar beim Rhythmus wackelt der Kopf plötzlich nach dem Takt der anderen. Das ist zugleich witzig und ziemlich beunruhigend.
Der Text nennt diese Veränderungen Nebenwirkungen, die gegen den eigenen Willen auftauchen: „근자감이라는 알약을 입에 집어삼켜“ [Ich schlucke eine Pille namens unbegründete Zuversicht]. 근자감 ist koreanischer Slang für Selbstvertrauen ohne solide Grundlage, während 객기 eine draufgängerische, etwas übermütige Tapferkeit meint. Anfangs glaubt die Stimme noch, alles besiegen zu können. Dann wird aus der großen Klappe Sorge, und die „불안한 소리“ [ängstlichen Geräusche] hören einfach nicht auf. Der immer wiederkehrende Satz „머리 아프다“ [Mein Kopf tut weh] klingt deshalb wie ein direkter, fast komischer Notruf: Mut allein macht die Entscheidung nicht leichter.