Guślarz bezeichnet eine Person, die in der slawischen Volksüberlieferung Rituale leitet und Geister beschwört. Im Lied steht das Wort im Zusammenhang mit Dziady, einem traditionellen Totenritual und dem berühmten Werk von Adam Mickiewicz, wodurch die düstere, mystische Atmosphäre des Liedes besonders lebendig wird.
In „Sowa“ von LemON, einem Künstler aus Polen, fühlt sich die Nacht wie ein Ort voller alter Regeln und unheimlicher Zeichen an. Jemand muss die Nacht bewachen, Salz verstreuen und einen Schutzkreis ziehen, während jemand anderes „odgarnia ci włosy“ [dir wird dir das Haar aus dem Gesicht streichen] und so lange der Stille zuhört, bis sogar das Blut in den Adern hörbar wird. Besonders stark ist das Bild „sowę przybito do drzwi“ [eine Eule wurde an die Tür genagelt]: Die Eule, sonst ein nachtaktiver Vogel, wird hier zu einem Zeichen von Angst, Tabu und Aberglauben.
Der Text mischt solche Dorfvorstellungen mit Schlaf und Bewusstsein. „Hipnagogi przy świadomym śnie“ [Hypnagogie beim bewussten Träumen] bezeichnet den Übergang zwischen Wachsein und Traum, wenn Bilder und Geräusche besonders seltsam wirken können. Dazu kommen „Dziady“, ein polnischer Name für ein Ritual- und Geistertheater von Adam Mickiewicz, sowie Wörter wie „wołchw“, „gusła“ und „guślarz“ für alte Zauber-, Wahrsage- oder Geisterrituale beziehungsweise eine Person, die solche Bräuche ausübt. Zwischen Regen, Blutrauschen und „chaos cieczy“ [dem Chaos der Flüssigkeit] fragt das Lied, ob der Glaube an solche Wesen nur „bzdura i niezrozumienie“ [Unsinn und Unverständnis] war. Und dann bleibt dieser etwas traurige Satz: „Zatęsknisz za mną pewnego dnia“ [Eines Tages wirst du mich vermissen].