Jutrznia bedeutet wörtlich „Morgenröte“ oder „Morgenstern“. Es ist ein poetisches und eher seltenes Wort, das eine schöne und hoffnungsvolle Konnotation hat.
Im Lied wird es metaphorisch verwendet, um eine geliebte Person zu beschreiben, die wie die Morgenröte ist – eine Quelle des Lichts, der Hoffnung und des Neuanfangs. Es ist eine sehr zärtliche und erhabene Art, die Bedeutung dieser Person im Leben des Sängers auszudrücken.
In „Jutro“ spielt LemON mit der Idee, dass Zukunft und Vergangenheit gleichzeitig existieren können: „Bo w Tokio jest już jutro“ [Denn in Tokio ist schon morgen], während im East Village „nadal wczoraj“ [immer noch gestern] ist. Das ist ein schönes, leicht verrücktes Bild für jemanden, der zwischen Zweifel und Hoffnung feststeckt. Die sprechende Person möchte die geliebte Person bei sich haben und absolute Sicherheit, weiß aber, dass es diese Sicherheit vielleicht nicht gibt. Wenn sie gehen will, soll sie nicht in die Ferne schauen, sondern „zrób jeden krok do przodu“ [mach einen Schritt nach vorn].
Der Refrain ist der ruhige Mittelpunkt des Liedes: „Nie będę myśleć dziś i na jutro to zostawię“ [Heute werde ich nicht nachdenken, ich verschiebe es auf morgen]. Die andere Person ist „moją muzą“ [meine Muse], „moją ciszą“ [meine Stille] und „moją jutrznią“ [mein Morgenlicht, meine Morgendämmerung]. Draußen gibt es eine fehlerhafte, wütende Welt, drinnen dagegen den Versuch, Angst und Grübeleien für eine Nacht abzustellen. Besonders stark ist das Bild: „Demonom będę grał kołysankę“ [Ich werde den Dämonen ein Wiegenlied spielen]. Selbst mit zitternden Händen wird ein Schwert gehoben, obwohl der Text trocken bemerkt: „Pewność jest dla tych, co myślą mniej“ [Sicherheit ist für diejenigen, die weniger denken]. Das Lied findet also keine fertige Antwort. Es sagt eher: Heute gehen wir weiter, und über morgen können wir morgen nachdenken.