Rayando kommt vom Verb rayar, was wörtlich „kratzen“, „schrammen“ oder „eine Linie ziehen“ bedeutet. Es ist ein visuell starkes Wort, das man nicht in jedem Lied findet.
Im Kontext von „Rayando El Sol“ wird es metaphorisch verwendet. Der Sänger drückt damit die extreme Anstrengung und Verzweiflung aus, die er empfindet, um die Liebe der Person zu erreichen, die er begehrt. Es ist, als würde er sich bis zur Sonne „kratzen“ oder „durchkämpfen“, um ihr Herz zu erreichen, was die Intensität seiner Gefühle und seinen Kampf verdeutlicht.
In „Rayando El Sol“ von Maná aus Mexiko wird Liebeskummer zu einem fast unmöglichen Unterfangen: „Rayando el sol“ [die Sonne ankratzen]. Gemeint ist natürlich kein echtes Kratzen an der Sonne, sondern eine übertriebene Vorstellung dafür, wie verzweifelt die Person nach der geliebten Person sucht. „Es más fácil llegar al sol, que a tu corazón“ [Es ist leichter, zur Sonne zu gelangen als zu deinem Herzen] klingt zugleich dramatisch und ein bisschen frech: Der Weg zu dieser Person scheint schwieriger als eine Reise zur Sonne. Sie ruft nicht an, und der Sänger wartet verzweifelt. „Son muchas lunas las que te he llorado“ [Ich habe dich unter vielen Monden beweint] bedeutet, dass schon lange Zeit vergangen ist.
Die Suche wird ganz konkret: Er geht zu ihrem Haus, findet sie dort aber nicht und sucht weiter „en el parque, en la plaza, en el cine“ [im Park, auf dem Platz, im Kino]. In seinem Kopf und Körper ist sie trotzdem ständig da: „Te tengo atrapada entre mi piel y mi alma“ [Ich habe dich zwischen meiner Haut und meiner Seele gefangen]. Diese Formulierung zeigt, dass er sie nicht einfach vergessen kann. Der Refrain bleibt deshalb bei „Me muero por ti, viviendo sin ti“ [Ich sterbe für dich, während ich ohne dich lebe]. Das ist kein leiser Abschied, sondern ein flehentlicher Versuch, endlich wieder bei ihr zu sein.