Taciturno bedeutet 'schweigsam' oder 'melancholisch'. Es ist ein eher seltenes und poetisches Wort, das eine tiefe, nachdenkliche Stimmung beschreibt.
In "Fotografía" verwendet Juanes es, um die Erinnerung an die Stimme seiner Geliebten zu beschreiben: "Yo me valgo del recuerdo taciturno de tu voz" (Ich verlasse mich auf die schweigsame/melancholische Erinnerung an deine Stimme). Es vermittelt das Gefühl einer stillen, fast traurigen Erinnerung, die ihn in ihrer Abwesenheit begleitet.
Kennst du dieses flaue Gefühl im Bauch, wenn jemand einfach unerreichbar weit weg ist? Genau darum dreht sich dieser lateinamerikanische Pop-Rock-Klassiker des kolumbianischen Musikers Juanes zusammen mit Nelly Furtado. Juanes beschreibt hier keine vage Sehnsucht, sondern ein ganz konkretes Ritual: Er trägt alte Bilder direkt bei sich am Körper, „a un lado de mi piel“ (an meiner Haut), um sie anzusehen, sobald die Einsamkeit an ihm nagt. Die Zeile „tu ausencia me devora entero el corazón“ (deine Abwesenheit verschlingt mein ganzes Herz) klingt dramatisch, trifft aber diesen Zustand auf den Punkt, wenn man einfach gar nichts mehr gegen seine Gefühle tun kann: „no tengo remedio más que amarte“ (mir bleibt nichts anderes übrig, als dich zu lieben).
Das Bittere an der ganzen Geschichte bringt der Refrain mit voller Wucht auf den Tisch. Sobald man anruft oder sucht, ist die andere Person weg: „Cada vez que te busco, te vas / Y cada vez que te llamo, no estás“ (Jedes Mal, wenn ich dich suche, gehst du / Und jedes Mal, wenn ich dich anrufe, bist du nicht da). Am Ende bleibt die traurige Ernüchterung: „tú sólo en mis fotos estás“ (du existierst nur in meinen Fotos). Die spanische Wendung „no tener remedio“ bedeutet wörtlich „kein Heilmittel haben“, meint hier im Alltag aber schlicht „machtlos sein“ oder „keine Wahl haben“. Wenn zwischen zwei Menschen eine unsichtbare Kluft liegt, klammert man sich eben an jedes Detail, und sei es nur der leise Nachhall einer Stimme im Kopf.