Traições bedeutet „Untreue“ oder „Verrat“ und ist die Pluralform von traição. Im Lied geht es um die überraschend subtile Seite von Betrug: „traições são bem mais sutis“ bedeutet, dass Untreue oft viel versteckter und weniger offensichtlich ist, als man denkt.
In „Eu Posso Ser Como Você“ spricht Jão, ein Künstler aus Brasilien, mit jemandem, der ihm vorwirft, sich im Juli verändert zu haben. Zuerst sucht er Erklärungen und nennt seine Tat Rache, Vergeltung oder Wut. Dann wird er ganz direkt: „Eu fiz porque eu quis“ [Ich habe es getan, weil ich es wollte]. Ein anderer Mann wollte ihn, und Jão wollte wissen, wie es sich anfühlt. Besonders stark ist „senão, eu sumiria“ [sonst wäre ich verschwunden]: Für ihn war diese Entscheidung mit dem Gefühl verbunden, sich selbst zu verlieren, wenn er sie nicht trifft.
Der Refrain „Eu posso ser como você“ [Ich kann wie du sein] klingt wie eine spitze Antwort. Die angesprochene Person hat offenbar selbst etwas Ähnliches getan, und Jão weigert sich, allein die Schuld zu tragen. Er sagt sogar: „traições são bem mais sutis“ [Untreue ist viel subtiler], also nicht immer ein klarer, einzelner Moment. „Foi leal de um porto a outro“ [Ich war von einem Hafen zum anderen treu] wirkt dabei wie ein bitteres Wortspiel: Er behauptet, auf seinem Weg zwischen zwei Stationen loyal gewesen zu sein. Die Entschuldigung „quando não deveria“ [als ich es nicht hätte tun sollen] bereut er teilweise, zugleich sagt er, er hätte sogar noch mehr tun können. Genau diese Mischung aus Trotz, Begehren und Selbstrechtfertigung macht den Text so schonungslos.