Kehanet bedeutet „Prophezeiung“ oder „Vorhersage“ und ist ein ungewöhnliches, poetisches Wort, das man nicht in jedem Lied hört. In der Zeile „Kabullen bu kehaneti“ bedeutet es „Akzeptiere diese Prophezeiung“ und lässt die Liebesgeschichte wie ein vorherbestimmtes Schicksal wirken.
In „Öyle Sev“ von Güliz Ayla, einer Künstlerin aus der Türkei, beginnt die Geschichte nachts in der Stadt: Die angesprochene Person bleibt wach, während das Bild des anderen einmal klar und einmal verschwommen erscheint. Die beiden fragen sich, wer sie vielleicht schon früher waren und wie oft sie sich begegnet sein könnten. Erst sind sie „iki yabancı“ [zwei Fremde], dann „iki yalancı“ [zwei Lügner], danach „iki aşık“ [zwei Verliebte], bis am Ende nur noch eine Person zurückbleibt. Das ist ziemlich direkt und ein bisschen bitter. Trotzdem kreuzen sich ihre Wege, und ihre Geschichte sitzt fest im Gedächtnis.
Der Refrain fordert keine höfliche Zurückhaltung: „Öyle sev, öyle sarıl ki“ [Liebe so, umarme so, dass …] und „Bırak nezaketi“ [Lass die Höflichkeit beiseite]. Statt vorsichtig zu bleiben, soll die andere Person den möglichen Lauf der Dinge akzeptieren: „Kabullen bu kehaneti“ [Akzeptiere diese Prophezeiung]. „Görelim cesareti“ [Lass uns den Mut sehen] klingt wie eine Herausforderung. Im zweiten Teil erinnert sich die Stimme an eine Nacht, an ein Lächeln, dem sie geglaubt hat, und an Augen, die etwas Vertrautes auslösten. So wird aus einer zufälligen Begegnung eine Liebesgeschichte, die vielleicht vorherbestimmt wirkt, aber trotzdem Mut verlangt.