Manteaux bedeutet wörtlich „Mäntel“. Es ist ein interessantes Wort, da es in diesem Lied metaphorisch verwendet wird und eine tiefere Bedeutung hat.
Carla Bruni singt, dass die Zeit aus unseren Sorgen „Mäntel“ macht („Que de nos chagrins il s'en fait des manteaux“). Dies deutet darauf hin, dass die Zeit unsere Traurigkeit nicht einfach verschwinden lässt, sondern sie in etwas verwandelt, das uns umhüllt oder begleitet, wie ein Mantel. Es ist eine poetische Art, über die Verarbeitung von Emotionen zu sprechen.
Kennst du diesen Moment, in dem dir alle Welt erzählen will, wie kurz das Leben ist und wie gemein die Zeit zu uns ist? Carla Bruni nimmt genau diese düstere Stimmung auf: Ihr wird gesagt, dass das Leben kaum etwas wert sei und vergehe wie welke Rosen (Elles passent en un instant comme fanent les roses). Sie wird sogar richtig drastisch: le temps qui glisse est un salaud („die verstreichende Zeit ist ein Drecksack“) und macht sich aus unserem Kummer dicke Mäntel (Que de nos chagrins il s'en fait des manteaux). Das Wort salaud ist übrigens handfester französischer Slang – ganz schön frech für ein so sanft gezupftes Chanson!
Doch mitten in all diesem Zynismus über das Schicksal platzt ein Gerücht: Pourtant quelqu'un m'a dit / Que tu m'aimais encore („Doch jemand hat mir gesagt, dass du mich immer noch liebst“). Ob das stimmt? Sie weiß es selbst nicht mehr so genau. Es war spät in der Nacht, sie erinnert sich an die Stimme, aber nicht mehr an das Gesicht: J'entends encore la voix, mais je ne vois plus les traits („Ich höre noch die Stimme, aber ich sehe die Gesichtszüge nicht mehr“). Genau dieses leise Hoffen gegen jede Vernunft macht das Lied so charmant: Man greift nach dem Glück, macht sich vielleicht zum Narren (on tend la main et on se retrouve fou), will diesen einen Satz aber unbedingt glauben.