Essuie-glaces bedeutet wörtlich „Scheibenwischer“. Das zusammengesetzte Wort ist besonders anschaulich und bleibt leicht im Gedächtnis.
Im Song sagt OrelSan, dass er in Gedanken Freestyle-Rap zum Geräusch der Scheibenwischer gemacht hat. Der gleichmäßige Rhythmus der Wischer wird dabei zu einer ungewöhnlichen musikalischen Begleitung für seine Texte.
In „La Pluie“ erzählt OrelSan von seiner Herkunft mit viel Selbstironie: Frankreich erscheint als Ort, an dem man die chenille tanzt, eine Polonaise, und „où on prend plus de caisses que des crash tests dummies“ [wo man mehr caisses nimmt als Crashtest-Dummys]. Prendre une caisse bedeutet hier umgangssprachlich, sich ordentlich zu betrinken. Neben Freunden mit und ohne Schulabschluss stehen der Vater, der sich beruflich hochgearbeitet hat, und die Mutter, die Werbeleute als typische Hausfrau ansprechen wollen. Dazu kommen Dorfklatsch, Arbeitslosigkeit, Tee und eine Mittelschicht, in der alle ihren Platz suchen. Die Zeile „Julien Clerc dans l'monospace“ [Julien Clerc im Familienvan] ist dabei herrlich komisch: französische Popmusik trifft auf ganz normalen Familienalltag.
Der Regen ist in diesem Lied mehr als Wetter. Als Jugendlicher sitzt OrelSan im Zimmer, hört die Scheibenwischer und reimt im Kopf auf dieses Geräusch: „Y'a la pluie en featuring dans toutes mes phrases“ [Der Regen ist in all meinen Sätzen als Gast dabei]. Er wartet auf Sonne, Skate-Rampen und das Ende des Schauers. Später geht er weg, weil er Angst hat, „de rouiller“ [zu verrosten], doch ausgerechnet das schlechte Wetter fehlt ihm schließlich. Der Refrain hält diesen Widerspruch fest: „Toujours autant d'pluie chez moi, mais il fait quand même beau“ [Bei mir regnet es immer noch genauso viel, aber trotzdem ist es schön]. Regen, nasser Beton und graue Tage gehören zu seiner Heimat, ohne sie vollständig zu bestimmen. Gerade darin liegt der Charme des Songs: Das Wetter ist mies, die Erinnerungen sind manchmal eng, und trotzdem sagt er immer wieder: Bei mir ist es schön.