Seille-o ist französischer Slang für „Geld“ und eine spielerische Umformung von oseille, einem weiteren umgangssprachlichen Wort für Kohle. In der Zeile „Elle a vu toute ton seille-o“ bedeutet es, dass sie dein ganzes Geld gesehen hat. Die ungewöhnliche Argot-Form macht das Wort besonders einprägsam und zeigt, wie kreativ französischer Rap mit Sprache umgeht.
In „Bad Boy“ zeichnet Marwa Loud das Bild einer Clique, die sich mit Risiko, Geld und einem auffälligen Lebensstil schmückt, dabei aber ständig Pech hat. Der Refrain nennt den Mann einen „bad boy“ und seine Freundinnen „bad girls“, doch das klingt eher spöttisch als bewundernd. „On n’a pas d’bol“ [Wir haben Pech] ist umgangssprachlich und bedeutet wörtlich etwa „Wir haben kein Glück“. Dazu kommen harte Ansagen wie „Le but d’une vie c’est d’faire d’la monnaie“ [Das Ziel im Leben ist, Geld zu machen] und „T’as pas un euro, fais pas de deal“ [Du hast keinen Euro, also mach keine Geschäfte]. Mit „kilo“ und „dealer“ deutet der Text auf Drogenhandel an, ohne daraus eine Heldengeschichte zu machen.
Besonders stark ist der Gegensatz zwischen diesem Treiben und dem Wunsch, auszusteigen: „Moi j’voulais m’en aller“ [Ich wollte weg] und „J’essaye de faire le vide … de faire le tri“ [Ich versuche, den Kopf freizubekommen und auszusortieren]. Trotzdem geht die Figur weiter „zoner“, also herumzuhängen und durch die Gegend zu ziehen. Eine junge „go“, ein Slangwort für Mädchen oder junge Frau, will die Nummern aller Leute, während sie sich von dieser Welt langweilt und faszinieren lässt. Später werden teure Ausgänge, Alkohol oder andere Ausgaben erwähnt: „Les consos s’additionnent“ [Die Konsumationen summieren sich], und am Ende zahlt nicht die Frau, sondern der selbst ernannte Bad Boy. Das Lied klingt dadurch frech und eingängig, zeigt aber zugleich eine ziemlich wackelige Welt aus Angeberei, Schulden, schlechten Entscheidungen und dem Gedanken: Eigentlich will ich hier raus.