Varado bedeutet wörtlich „gestrandet“, ähnlich wie ein Schiff, das nicht mehr weiterkommt. Im Lied beschreibt der Sänger damit bildhaft, dass er emotional feststeckt und abwartet, ob sie etwas sagt. Das ungewöhnliche, maritime Bild macht das Wort besonders einprägsam.
Kennst du das, wenn du aufwachst und für eine Sekunde denkst, alles wäre wieder gut? Genau da setzt Kevin Kaarl an. In Colapso singt der mexikanische Folk-Musiker über das bittere Erwachen nach einer Trennung: „Hoy creí que ya volvió […] Pero fue un sueño nada más“ (Heute dachte ich, sie wäre zurück […] Aber es war nur ein Traum). Er fleht fast schon um Hilfe mit „Dios, dame fuerza, que ya me voy a rendir“ (Gott, gib mir Kraft, denn ich gebe gleich auf). Besonders spannend für dein Spanisch: Er benutzt das umgangssprachliche Wort „pa'“ statt para in der Zeile „No sé pa' dónde voy“ (Ich weiß nicht, wohin ich gehe). Kevin beschreibt sich selbst als varado – wie ein gestrandetes Boot, das einfach festsitzt und darauf wartet, dass sie ein einziges Wort sagt.
Mitten im Song kippt das Ganze in einen inneren Dialog. Eine vernünftige Stimme versucht ihn zu beruhigen: „Ya no pienses tanto / Claro que ella te amó / Solo fue un colapso“ (Denk nicht mehr so viel nach / Natürlich hat sie dich geliebt / Es war nur ein Zusammenbruch). Es heißt sogar tröstend, dass sie bald wieder strahlen wird – auch wenn es vielleicht nicht mehr für ihn ist. Aber Kevin lässt das nicht auf sich sitzen. Er wirft trotzig ein: „¿Y qué hay de mí? / Yo sigo aquí / Yo también quiero ser feliz“ (Und was ist mit mir? Ich bin immer noch hier, ich will auch glücklich sein). Am Ende hämmert er sich die Loyalität fast schon verzweifelt ein, indem er die Zeile „Hoy sigo estando para ti“ (Heute bin ich immer noch für dich da) wieder und wieder wiederholt. Ein ehrlicher Folk-Track voller Zweifel, Selbstgespräche und Liebeskummer.