Gueule ist ein umgangssprachliches Wort, das wörtlich „Maul“ oder „Fresse“ bedeutet und oft abfällig für den Mund oder das Gesicht verwendet wird.
In diesem Lied verwendet Barbara Pravi es jedoch in einem sehr persönlichen und rohen Kontext: „C'est ma gueule, c'est mon cri“. Hier drückt sie aus, dass es ihr wahres, unverfälschtes Ich ist, ihr Ausdruck, ihr Schrei – eine mutige und authentische Selbstdarstellung, die über die negative Konnotation hinausgeht.
Barbara Pravi singt in „Voilà“ als eine Sängerin, die sich direkt an ihr Publikum wendet. „Écoutez-moi“ [Hört mir zu] und „Parlez de moi“ [Sprecht über mich] klingen wie eine Bitte und zugleich wie eine mutige Ansage. Sie beschreibt sich als „la chanteuse à demi“ [die Sängerin zur Hälfte], also als jemand, der sich noch nicht vollständig sicher oder vollständig sichtbar fühlt. Trotzdem will sie Geschichten schreiben, die die Menschen erreichen. Der wiederholte Satz „Voilà, voilà, voilà, voilà qui je suis“ [Da bin ich, so bin ich] bedeutet im Französischen ungefähr: Hier zeige ich euch, wer ich bin.
Im weiteren Verlauf wird die Bitte persönlicher und verletzlicher. „Regardez-moi“ [Seht mich an] sagt sie, bevor von ihr vielleicht nicht mehr viel übrig ist oder bevor sie sich selbst nicht mehr leiden kann. Sie legt alles, was sie besitzt, vor das Publikum: ihr Gesicht, ihre Stimme, ihren Traum und ihre Angst. „Mise à nue“ [entblößt] ist dabei ein Bild für völlige Offenheit, nicht unbedingt für wörtliche Nacktheit. Besonders direkt ist „Ne partez pas, j’vous en supplie“ [Geht nicht, ich flehe euch an]: Ohne die Zuhörer weiß sie nicht, wie sie weitermachen soll. Sie bittet darum, wie eine Freundin geliebt zu werden, obwohl sie selbst sagt, dass sie ihre eigenen Konturen nicht gut lieben kann. Das „Voilà“ am Ende wirkt deshalb fast wie ein Vorhang, der immer weiter aufgeht: keine perfekte Figur, sondern eine Sängerin, die sich mit „son cri“ [ihrem Schrei] vor uns stellt.