Déraille kommt vom Verb dérailler, was wörtlich „entgleisen“ bedeutet, wie ein Zug, der die Schienen verlässt. Es ist ein bildhaftes Wort, das man nicht oft in Liedern hört.
Im Kontext des Liedes fragt der Sänger: „C'est peut être moi qui déraille“ (Vielleicht bin ich es, der entgleist). Er benutzt es metaphorisch, um auszudrücken, dass er sich vielleicht von der Norm entfernt oder verrückt wird, weil er die Welt um sich herum in Frage stellt. Es vermittelt ein Gefühl von Unsicherheit und Rebellion, was es zu einem sehr einprägsamen Wort macht.
Hast du dich je gefragt, ob du der Einzige bist, der die Welt einfach nicht mehr versteht? Genau darum geht es Claudio Capéo in diesem Chanson. Er fragt direkt in die Runde: „Je sais pas vous, c'est peut-être moi qui suis fou“ („Ich weiß nicht, wie es euch geht, vielleicht bin ich der Verrückte“). Er bezeichnet sich selbst als naiv und ultra-sensiblen Träumer, teilt dann aber gleich richtig aus: Er will sich die Geschichte nicht von „dix tocards, dix abrutis en costard“ vorschreiben lassen. Der Slang sitzt hier tief: „tocard“ ist ein herrlicher französischer Schmähbegriff für einen Verlierer oder Versager, und ein „abruti en costard“ ist schlicht ein Vollidiot im Anzug. Claudio hat keine Lust mehr, sich herumschubsen zu lassen („pas me laisser faire“), und stellt eine geniale, fast zynische Frage: „C'est combien la caution pour les faux espoirs?“ („Wie hoch ist die Kaution für falsche Hoffnungen?“).
Was mir an dem Track gefällt, ist dieser trotzige Befreiungsschlag im Refrain. Statt brav nach den Regeln der Schlipsträger zu tanzen, pfeift er auf alle Anweisungen: „moi je me fous des consignes“ („se foutre de“ bedeutet umgangssprachlich „auf etwas scheißen“ oder etwas völlig ignorieren). Sein Lebensmotto lautet schlicht: „Laissez-moi!“ („Lasst mich in Ruhe!“). Er bestimmt seine eigenen Gesetze Schritt für Schritt („mes lois je me les suis fixées pas à pas“). Es ist ein sturer, ehrlicher Song darüber, seinen eigenen Weg zu gehen und sich von niemandem das Licht verdecken zu lassen („Qu'on vienne plus me cacher ma lumière“).