Nasip bezeichnet im Türkischen das, was einem vom Schicksal oder vom Leben zugedacht ist. In „Nasibimi aldım“ bedeutet es sinngemäß: „Ich habe bekommen, was mir bestimmt war“ oder „Ich habe meine Lektion daraus gelernt“.
Das Wort ist besonders interessant, weil es eine kulturell geprägte Vorstellung von Schicksal und persönlichem Anteil ausdrückt. Im Lied klingt es selbstbewusst: Die Sängerin hat aus ihren Erfahrungen und gebrochenen Versprechen ihren Anteil mitgenommen und will nicht zurück.
In „İnceden İnceden“ von Tuğba Yurt kommt ein Ex-Partner zu spät zurück. „Geri dönmek için geç kaldın“ [Du bist zu spät zurückgekommen] klingt sofort nach einer klaren Abfuhr. Die Sprecherin fragt spitz: „Varlığınla ne kazandırdın? Yokluğunla ne kaybettiriceksin?“ [Was hast du mir durch deine Anwesenheit gegeben? Was werde ich durch deine Abwesenheit verlieren?] Für sie ist seine Rückkehr also kein großer Gewinn. Sie glaubt, dass der Schmerz nach „bi' gün, iki gün“ [einem oder zwei Tagen] nachlässt, und will wieder nach vorn schauen.
Dann versucht der Mann es mit „Gel deneyelim“ [Komm, versuchen wir es] und streichelt ihre Seele „inceden inceden“ [ganz sanft, unterschwellig]. Doch sie fällt nicht darauf herein: „Kanmam be oğlum, neler gördüm neler“ [Ich glaube dir nicht, Junge, was ich schon alles erlebt habe]. „Oğlum“ ist hier eine umgangssprachliche Anrede wie „Junge“ oder „Kerl“, nicht unbedingt „mein Sohn“. Auch „bağladığım karalar“ [die schwarze Trauer, die ich angelegt habe] spielt auf die Redewendung an, Trauer zu tragen. Die Stimme des Liedes bleibt dabei herrlich direkt: Seine süßen Worte klingen nett, aber ihre Erfahrung ist stärker als seine neuen Versprechen.