Rencor bezeichnet einen tiefen, anhaltenden Groll oder eine Verbitterung gegenüber jemandem und ist stärker als bloße Wut. Im Lied sagt der Sänger, dass sein Herz wegen seiner schlechten Behandlung voller rencor ist, aber später betont er, dass er selbst keinen Groll bewahrt: ein spannender Gegensatz zwischen Schmerz und Vergebung.
„Medicina de amor“ heißt „Liebesmedizin“. Raulin Rodríguez aus der Dominikanischen Republik singt von einem Mann, der nach einer Trennung so leidet, dass er seine Liebe als Krankheit beschreibt: „cáncer de amor“ [Liebeskrebs]. Die frühere Geliebte soll die einzige Frau sein, die ihn heilen kann. Besonders stark ist der Widerspruch: Sein Herz trägt „tanto rencor“ [so viel Groll], während er zugleich nach ihrer Liebe ruft. Ein weiteres Jahr vergeht, und er sieht sich immer noch „muriendo“ [sterbend] vor Sehnsucht.
Trotz der Vorwürfe bleibt der Erzähler erstaunlich großzügig: „Porque no guardo rencor en mi corazón“ [Denn ich bewahre keinen Groll in meinem Herzen]. Er verspricht, sie zu beschützen und zu führen, wohin sie auch geht, und will ihre Erinnerung mitnehmen, um sich damit zu trösten. Dann wird der Ton ziemlich direkt: In der Widmung nennt er die Frau „cobarde y traicionera“ [feige und verräterisch] und wirft ihr vor, das Leben eines Mannes nicht zu schätzen. Genau diese Mischung macht den Song so dramatisch: Liebeskummer klingt hier wie eine Krankheit, die angeblich nur dieselbe Person heilen kann, die sie verursacht hat.