Sablier bedeutet „Sanduhr“ und ist ein poetisches, eher ungewöhnliches Wort für ein Zeitmessgerät. Im Lied steht es für die quälend verstreichede Zeit während der schlaflosen Nächte und für das Gefühl, den Ablauf der Zeit nicht anhalten zu können.
In „Insomnie“ von Mélanie Laurent wird eine Nacht zur zähen Prüfung: Die Erzählerin liegt wach, obwohl sich ihre Augen „remplis de sable“ [mit Sand gefüllt] anfühlen. Sie starrt ins Leere, zieht bittere Bilanzen und beobachtet, wie die Stunden „se faner“ [verwelken]. Besonders stark ist die Frage „Combien de cachet“ [wie viele Tabletten noch?]: Schlaf erscheint hier nicht als friedliche Pause, sondern als etwas, auf das der Körper erst nach langem Widerstand und vielleicht mit Hilfe von Medikamenten zufällt. Wenn „soudain la lumière“ [plötzlich das Licht] kommt, ist der Morgen keine Erlösung, sondern ein viel zu kurzer Zwischenraum.
Auch der Tag bringt keine Ruhe. Der Körper steht auf, vergisst „le soleil“ [die Sonne] und kämpft weiter, bis der Abend wieder auftaucht. Die Formulierung „L’insomnie bien rangée, pliée entre deux chemises“ [die ordentlich weggeräumte Schlaflosigkeit, zwischen zwei Hemden gefaltet] ist fast absurd komisch und gerade deshalb so treffend: Die Insomnie reist scheinbar ganz ordentlich mit durch den Alltag, als läge sie im Kleiderschrank. Am Ende kreist alles weiter zwischen wachem Körper, schlechter Laune, Angst und dem kurzen „calme de la nuit“ [der Ruhe der Nacht].