Colivie bedeutet wörtlich „Vogelkäfig“. Es ist ein ungewöhnliches und bildhaftes Wort, das man nicht oft in Liedern hört.
Im Kontext des Liedes verwendet die Sängerin „după colivie“, um auszudrücken, dass sie sich nach einer Zeit der Einschränkung oder des Eingesperrtseins endlich befreit fühlt und das Leben genießen möchte. Es ist eine Metapher für das Ausbrechen aus gesellschaftlichen Erwartungen oder einer restriktiven Situation.
Lia Taburcean aus Moldau erzählt in „La Nunta Asta“ von einer jungen Frau, die bei einer Hochzeit lange brav am Rand sitzen soll. Der Geistliche meint, sie müsse sich schämen und frieren, doch sie hat genug davon: „Eu m-am săturat să stau la colţ de masă“ [Ich habe es satt, in der Ecke des Tisches zu sitzen]. Sie hat sich extra in ihr schönes Kleid geworfen und findet, dass ihre harte Arbeit seit dem Morgen mindestens einen Tanz verdient: „Am să joc măcar o dată-n viaţă“ [Ich werde wenigstens einmal im Leben tanzen]. „A juca“ bedeutet hier nicht „spielen“, sondern tanzen, wie bei einem Fest.
Die Hochzeit ist laut und ein bisschen komisch: Es läuft nur Hochzeitsmusik, alle reden, aber niemand hört zu. Die Erzählerin pfeift auf die Kommentare der anderen und folgt ihrem tanzenden Herzen. „După colivie“ [nach dem Käfig] klingt wie ein Bild für die Zeit, in der sie eingeschränkt wurde. Und dann kündigt sie an, am Abend ein wenig „rachiu“ zu probieren, einen kräftigen traditionellen Schnaps. Ihre Botschaft ist herrlich direkt: Wenn die Musik spielt und sie schon den ganzen Tag gearbeitet hat, bleibt sie nicht länger am Rand sitzen.