Disimulo bedeutet Verstellung oder Heimlichkeit. Es ist ein interessantes Wort, da es eine subtile Art beschreibt, Gefühle oder Absichten zu verbergen.
Im Lied heißt es: "Y se alejan después con disimulo" (Und sie entfernen sich danach mit Verstellung). Dies fängt die Spannung und das heimliche Verlangen zwischen zwei Menschen ein, die versuchen, ihre Anziehung zu verbergen, obwohl sie sich zueinander hingezogen fühlen. Es ist ein Wort, das die Komplexität menschlicher Beziehungen und verborgener Emotionen sehr gut ausdrückt.
„Deseándote“ bedeutet „Dich begehrend“ und genau darum kreist das Lied: Zwei Menschen begegnen sich zufällig auf der Straße. Ihre Blicke „se tropiezan y se asustan“ [stoßen zusammen und erschrecken], berühren sich aber im selben Augenblick und entfernen sich danach unauffällig. Beide sind inzwischen mit anderen Personen zusammen, doch der Text nennt diese Beziehungen fast bitter „los dos suplentes“ [die beiden Ersatzspieler]. Nach einer gescheiterten gemeinsamen Geschichte suchen sie einander wieder, angeblich um nicht allein zu sein.
Frankie Ruiz macht daraus ein sehr körperliches Lied über Erinnerung und Fantasie. Die frühere Umarmung und die Leidenschaft sind noch so stark, dass der Sänger jeden Tag und jede Nacht von ihr träumt: „Para hundirme en tus abismos inventándote“ [um in deinen Abgründen zu versinken und dich mir auszudenken]. Während beide die Nähe anderer Menschen erleben, stellen sie sich offenbar gegenseitig vor. Besonders schön und zugleich ein wenig verrückt ist das Bild, dass sie „tan lejos y tan cerca“ [so weit entfernt und so nah] sind. Das Lied lebt von genau diesem Widerspruch: getrennt im Alltag, aber in Gedanken und Begehren weiterhin miteinander verbunden.