Gabbiano bedeutet „Möwe“. Es ist ein schönes und etwas ungewöhnliches Wort, das nicht in jedem Lied vorkommt und eine poetische Note hat.
Im Lied wird die Möwe als Überbringer der Geliebten beschrieben: „Un passaggio da un gabbiano, ti ha posata su uno scoglio ed eri tu.“ Dies verleiht dem Wort eine romantische und fast märchenhafte Bedeutung, da die Möwe hier als Bote des Schicksals fungiert.
„Fiore di Maggio“ von Fabio Concato beginnt wie eine kleine Urlaubserinnerung: Eine junge Frau ist an einem sonnigen Ort am Meer geboren, auf einem Felsen, von dem man ins Wasser springen kann. Der Erzähler sagt zu ihr: „Tu che sei nata dove c’è sempre il sole“ [Du, die du dort geboren bist, wo immer die Sonne scheint]. Das Sonnenlicht ist dabei nicht nur draußen: Sie trägt es „dentro il cuore“ [im Herzen]. Im Mai blüht auf diesem Felsen eine Blume, während das Dorf feiert, singt und offenbar ziemlich viel trinkt. Die Erinnerung ist warm, sommerlich und ein bisschen verschwommen: Der Erzähler weiß selbst nicht mehr genau, ob sie am Strand oder im Haus seines Bruders geboren wurde.
Dann wird die Szene märchenhaft. Sie sieht die beiden vom Himmel aus, versucht herunterzukommen und landet, von einer Möwe getragen, auf dem Felsen: „Un passaggio da un gabbiano“ [eine Mitfahrgelegenheit auf einer Möwe]. Diese seltsame, schöne Vorstellung passt zu dem Traum von einem warmen Maitag: Der Strand ist leer, beide warten dort, und sie bittet ihn, nach oben zur Möwe zu schauen, nahe bei ihr zu bleiben und ihre Hand zu halten. Das Lied verbindet also Meeresbilder, eine kindlich-fantastische Geburt und eine sehr vertraute Bitte: „Stammi vicino e tienimi la mano“ [Bleib bei mir und halte meine Hand].