Desolación bezeichnet eine tiefe innere Leere, Verzweiflung oder das Gefühl, völlig verlassen zu sein. Im Lied beschreibt der Sänger damit seine Situation und verstärkt die melancholische Stimmung, bevor er sich selbst als „lamento boliviano“, also als bolivianisches Wehklagen, bezeichnet.
In „Lamento Boliviano“ beschreibt der Erzähler einen inneren Druck, den andere Menschen noch verstärken: „Me quieren agitar“ [Sie wollen mich aufregen] und „Me incitan a gritar“ [Sie bringen mich dazu, zu schreien]. Nach außen bleibt er jedoch „como una roca“ [wie ein Fels], denn Worte erreichen ihn nicht. Innen brodelt dafür ein Vulkan, der bald ausbrechen könnte. Er möchte einfach ruhig sein, fühlt sich aber in einer „desolación“ [Verlassenheit oder trostlosen Lage]. Das Bild vom „lamento boliviano“ [bolivianische Klage] klingt wie ein trauriger, nie endender Seufzer. Der Text erklärt nicht, warum diese Klage begonnen hat. Gerade deshalb wirkt sie wie ein Zustand, aus dem der Erzähler nicht herauskommt.
Dann wird der Ton zugleich chaotisch und zärtlich: „Borracho y loco“ [betrunken und verrückt] steht neben „mi corazón idiota siempre brillará“ [mein dummes Herz wird immer leuchten]. Dieses Herz liebt also weiter, sogar wenn der Erzähler die Kontrolle verloren hat: „Yo te amaré, te amaré por siempre“ [Ich werde dich lieben, ich werde dich für immer lieben]. Besonders schön und etwas komisch ist die Zeile „Nena, no te peines en la cama, que los viajantes se van a atrasar“ [Mädchen, kämm dich nicht im Bett, sonst werden sich die Reisenden verspäten]. Sie klingt wie eine abergläubische Warnung oder eine absurde Alltagsregel. Zwischen Vulkan, Alkohol, ewiger Liebe und dieser seltsamen Bitte entsteht ein Lied voller Gegensätze: Der Erzähler ist aufgewühlt, bleibt aber an seiner Liebe fest.