Keder ist ein poetisches türkisches Wort für tiefen Kummer oder seelisches Leid. In der Zeile „Bu nasıl keder?“ fragt Edis sinngemäß: „Was für ein Schmerz ist das?“ Dadurch wirkt das Wort besonders dramatisch und emotional, weit stärker als einfache alltägliche Traurigkeit.
In „Martılar“ von Edis, einem Künstler aus der Türkei, klingt die Trennung wie ein Abend, an dem überall Erinnerungen herumliegen. Der Sänger hört „Lieder mit gesenktem Kopf“ [traurige, gebrochene Lieder], schweigt aus Rücksicht auf die gemeinsame Vergangenheit und bittet: „Wenn du nicht da bist, was ist das Leben dann anderes als der Tod?“ Die Möwen aus dem Titel sollen nicht länger traurig sein, weil die geliebte Person endlich zurückkommen soll. Gerade dieses Bild ist schön und ein bisschen dramatisch: Selbst die Möwen scheinen unter der Abwesenheit zu leiden.
Dann wird der Ton verspielter und direkter. Er sagt sinngemäß: Erfinde irgendeine Ausrede, komm trotzdem zu mir zurück, ich würde sogar dein Diener sein. Die andere Person soll wie eine Saite an seiner Gitarre sein und seine Wunden heilen. „Kitabını uydur“ ist dabei eine türkische Redewendung und bedeutet ungefähr „Denk dir eine passende Geschichte oder Ausrede aus“. Trotz des Schmerzes blitzt auch Flirt auf: Er möchte die geliebte Person noch einmal auf die „honigfarbene Wange“ küssen. Ohne sie wird er an einsamen Abenden fast verrückt, und selbst die Wände würden weinen, wenn er alles erzählen würde. Der Satz „Wie beim Glücksspiel habe ich in der Liebe kein Glück“ macht klar, dass er sein Schicksal gern neu schreiben würde, solange er noch etwas mehr Nähe bekommt.