Avvoltoi bedeutet wörtlich „Geier“. Es ist ein ungewöhnliches und eindringliches Wort, das man nicht oft in Liedtexten findet.
Im Lied verwendet der Künstler das Bild der tibetischen Bestattungsriten, bei denen Geier die Überreste wegtragen. Er vergleicht dies mit dem Ende seiner Beziehung: „Quelli tibetani, dove gli avvoltoi / Portano via tutto quello rimane / Un po' come è finito fra di noi“ (Die tibetischen, wo die Geier / Alles wegtragen, was übrig bleibt / Ein bisschen so, wie es zwischen uns endete). Dieses starke und metaphorische Bild macht das Wort besonders einprägsam.
In „Nightmares“ erzählt Bresh zusammen mit Pinguini Tattici Nucleari von einer Beziehung, die nach Nähe und großen Gesten in Einsamkeit endet. Die Person liegt allein in einem „king-size“-Bett, während der Erzähler sie früher im Dunkeln „come il Braille“ [wie Blindenschrift] gelesen hat: Er wollte sie verstehen, selbst ohne klare Worte. Jetzt bereut er fast, überhaupt hingesehen zu haben: „Preferivo non leggere mai“ [Ich hätte lieber nie gelesen]. Der Titel passt zu seinem bissigen Bild „Ti ho portata a letto come i nightmares“ [Ich habe dich wie Albträume mit ins Bett genommen]. Es geht also nicht um entspannte Romantik, sondern um Erinnerungen, die nachts wieder auftauchen.
Besonders schön sind die kleinen, etwas schrägen Szenen: Er wartet frierend im Auto, die Scheiben beschlagen, und aus zu vielen Gesprächen werden „frasi fatte“ [abgedroschene Sätze]. Er nennt sie Yoko und sich selbst John, als wären sie ein berühmtes Duo, doch ihr „Spiel“ funktioniert nicht mehr. Später vergleicht er das Ende mit tibetischen Himmelsbestattungen, bei denen Geier zurückbleiben lassen, was von einem Körper übrig ist. Übrig sind hier nur Lieder, die er nachträglich löschen möchte, und die Rechnung beim Analytiker. Der Schluss ist herrlich direkt: „Gli incubi erano solo segreti non detti“ [Die Albträume waren nur unausgesprochene Geheimnisse]. Nach dem Sturm gehen beide auf dieselbe Party, aber unter getrennten Lautsprechern. Eine Trennung, die äußerlich vorbei ist, im Kopf aber noch ihre eigene Playlist laufen lässt.