Veneno bedeutet wörtlich „Gift“ und ist ein starkes, bildhaftes Wort. Im Lied steht es metaphorisch für verletzende Worte oder negative Gefühle, die zwischen den beiden Personen zurückbleiben: „¿Qué harás con todo este veneno?“
Hier treffen Billie Eilish und Rosalía aufeinander, und das Ergebnis klingt wie ein Zwiegespräch im Halbdunkel. Der Song dreht sich um eine quälende Frage nach dem Ende einer Beziehung: Kann man das Geschehene wirklich vergeben, oder bleibt Bitterkeit zurück? Rosalía fragt direkt: „Dime si me echas de menos aún“ („Sag mir, ob du mich noch vermisst“) und will wissen, was mit dem ganzen Groll passiert: „¿Qué harás con todo este veneno? Nada bueno“ („Was wirst du mit all dem Gift tun? Nichts Gutes“). Besonders intensiv ist die Zeile „Dame un beso y bájame de la cruz“ („Gib mir einen Kuss und nimm mich vom Kreuz herunter“). Das ist ein drastisches, fast übertriebenes Bild für jemanden, der sich als Märtyrer fühlt und Erlösung sucht.
Billie Eilish steigt mit englischen Zeilen ein und bringt eine spürbare Distanz mit: „I needed to go 'cause I needed to know you don't need me“ („Ich musste gehen, weil ich wissen musste, dass du mich nicht brauchst“). Sie entlarvt die Vorwürfe des Gegenübers als Widerspruch: „If I wasn't important, then why would you waste all your poison?“ („Wenn ich nicht wichtig wäre, warum würdest du dann all dein Gift verschwenden?“). Zusammen singen sie die Zeile „Un día soy un Dios y al otro puedo partirme“ („An einem Tag bin ich ein Gott und am nächsten kann ich zerbrechen“). Dieser krasse Wechsel zwischen Allmacht und völliger Zerbrechlichkeit fasst den Schmerz perfekt zusammen, ohne dass der Song dabei jemals laut werden muss.