gurbet — Fremde; fernes Exil

Gurbet bezeichnet im Türkischen nicht nur die Fremde, sondern auch das schmerzhafte Gefühl, von Zuhause oder einem geliebten Menschen getrennt zu sein. In der Zeile „Aşk bize gurbetti“ bedeutet es sinngemäß: „Die Liebe war uns fremd“ oder „Die Liebe war für uns wie ein fernes Exil“.

In „Vay Delikanlı Gönlüm“ spricht ein enttäuschtes, aber immer wieder verliebtes Herz mit sich selbst. Gleich am Anfang heißt es: „Bu zamanda, Ferhat olmak zor gönül“ [In dieser Zeit ist es schwer, Ferhat zu sein]. Ferhat, Şirin, Mecnun und Leyla sowie später Kerem, Aslı, Tahir und Zühre sind Liebespaare aus bekannten türkischen Liebesgeschichten. Im Lied stehen ihre Namen für große, schwierige Liebe. Heute, so klagt das Herz, findet man zwar „Dağ“ [Berge] und „çöl“ [Wüste], aber nicht die passende Şirin oder Leyla. Die Bilder sind bewusst übertrieben und dadurch fast bitter-witzig: Für die große Liebe gibt es Hindernisse genug, nur die geliebte Person fehlt.

Der Refrain macht aus dem Herz ein leichtsinniges „delikanlı gönül“, also ein junges, mutiges und etwas tollkühnes Herz: „Sen bu kurşunu yine mi yedin?“ [Hast du diese Kugel schon wieder abbekommen?] Die Kugel ist hier ein Bild für den erneuten Liebesschmerz. Obwohl das Herz behauptet hat, Liebe sei ihm „gurbet“, also Fremde oder Verbannung, verliebt es sich wieder. Liebe ist für das Lied ein „kor“ [glühende Glut] im Herzen: Man findet Feuer, aber keine Asche, die es endgültig auslöscht. Dazu kommt der bittere Satz „Yalan dünya“ [verlogene Welt], in der am Ende die Welt den Menschen ohne Liebe bleibt. Genau darin liegt der Reiz des Liedes: Das Herz weiß, dass es wieder verletzt werden kann, und rennt trotzdem noch einmal los.

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