Umidità bedeutet 'Feuchtigkeit' oder 'Nässe'. Es ist ein Wort, das man nicht unbedingt in jedem Popsong erwartet und das hier eine besondere, fast melancholische Bedeutung bekommt.
Im Lied bittet die Sängerin, sie vor der "umidità della pioggia più insistente" (der Feuchtigkeit des hartnäckigsten Regens) zu retten, die "nelle ossa della gente" (in die Knochen der Menschen) dringt. Es symbolisiert hier nicht nur physische Nässe, sondern auch eine Art von Trägheit oder Unzufriedenheit, die die Menschen durchdringt und sie zum Klagen bringt.
In „Bolivia“ von Francesca Michielin wird eine Reise zum Wunsch, aus den eigenen Gewohnheiten auszubrechen. Die Erzählerin reist zuerst „dentro a una stanza“ [in einem Zimmer] und spürt, dass die Ferne manchmal näher ist als gedacht. Gleichzeitig kritisiert sie Menschen, die über Veränderung rufen, aber „rimanendo seduti sul divano di casa“ [auf dem Sofa zu Hause sitzen bleiben]. Die Bilder von Luft, die Mauern oder Windmühlen baut, machen diesen Widerspruch fast spielerisch sichtbar: Es passiert viel, doch man selbst bewegt sich nicht.
Der Refrain klingt wie ein spontaner Fluchtplan: „Portami in Bolivia per cambiare testa“ [Bring mich nach Bolivien, um meine Denkweise zu ändern]. „Cambiare testa“ bedeutet hier nicht wörtlich, den Kopf auszutauschen, sondern anders zu denken. Sie will das Telefon ausschalten, frei und unabhängig sein und behauptet trotzig: „Mamma, no, non ho bisogno di niente“ [Mama, nein, ich brauche nichts]. Ganz unabhängig ist dieser Ausbruch allerdings nicht, denn später bittet sie doch darum, vor der feuchten Kälte und dem Regen gerettet zu werden. Dazu kommen Fahrradtouren im Dunkeln, Verstecken im Wald und der Wunsch, leichter zu werden, obwohl „c’è la gravità “ [es die Schwerkraft gibt]. Gerade diese Mischung aus Fernweh, Selbstironie und genervtem Blick auf eine Gesellschaft, die schlecht isst und alles glaubt, was sie liest, macht das Lied so lebendig: Ein neues Land soll den Kopf verändern, aber die menschlichen Probleme reisen offenbar mit.