Подвенечная ist ein faszinierendes Wort, das sich auf alles bezieht, was mit einer Braut oder einer Hochzeit zu tun hat, insbesondere auf das Brautkleid. Es ist nicht alltäglich und hat eine poetische Konnotation.
Im Lied wird "Мария Подвенечная птица" (Maria, der Brautvogel) erwähnt. Diese Metapher verleiht Maria eine besondere, fast mystische Qualität und deutet auf ihre Reinheit oder ihre Bereitschaft hin, sich zu opfern, was das Wort sehr einprägsam macht.
Dieses Lied führt in eine seltsame, halb zerstörte Welt: Die Menschen haben so viel gesungen, dass es am Ende genauso gut Schweigen gewesen sein könnte. Dadurch ist ihr „heiliges Wasser“ tot geworden, und „die Räder der Traurigkeit“ sind über sie hinweggefahren. Trotzdem gehen sie weiter zum „Праздник урожая во Дворце труда“ [Erntefest im Arbeitspalast]. Der Titel klingt nach einem offiziellen Fest, aber im Text wirkt dieser Ort eher wie ein Ziel für Menschen, die aus ihrer kaputten Wirklichkeit herauswollen. Rosa aus dem Kolchos und Maria, der „Hochzeitsvogel“, würden alles für eine Eintrittskarte geben. Ein Kolchos ist ein landwirtschaftlicher Großbetrieb aus der sowjetischen Zeit, deshalb wirkt Rosa besonders fest in dieser Arbeitswelt verankert.
Die Bilder werden immer absurder: Eine Maschine, die nicht mehr zu reparieren ist, eine Straße, die es vielleicht nie gegeben hat, ein Faun, der sich über ein Feld schleicht, und ein Stern, der vom Himmel gefallen ist und an die Tür klopft. Im Refrain stehen „schwarzer Ruß in roten Kesseln“, zerrissene Züge in antiken Ruinen und Gemälde aus der Eremitage unter den Füßen der Passanten. Sogar der Dirigent ist völlig taub. Das ist zugleich komisch und ziemlich düster: Kunst, Arbeit, Technik und Geschichte liegen durcheinander, während niemand richtig hören kann. Am Ende wartet das lyrische Ich in einer sternlosen Nacht am Kai und sagt: „Мы в самом начале“ [Wir stehen ganz am Anfang]. Der Weg zum Erntefest ist also kein triumphaler Abschluss, sondern ein merkwürdiger Neubeginn mitten im Chaos.